Mesotheliome sind hyperplastische Tumoren, die die Serosa-Membranen bedecken; genauer gesagt ist das Pleuramesotheliom (PM) eine aggressive Form von Lungenkrebs, deren Malignität häufig auf Asbestexposition zurückzuführen ist [1]. Asbestpartikel verursachen wiederkehrende Entzündungen, erzeugen freie Radikale und aktivieren Protoonkogene, was zur Entstehung maligner Mesotheliome führt. Symptome treten jedoch meist erst 10–50 Jahre nach der Exposition auf [1]. Das maligne PM weist eine schlechte Prognose auf: Die meisten Patienten werden in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert und haben eine mittlere Überlebenszeit von weniger als 12 Monaten [2]. Dies unterstreicht die dringende Notwendigkeit einer frühzeitigen Diagnostik. Flüchtige organische Verbindungen (VOCs) haben sich als potenzielle Biomarker für Lungen-, Darm, Brust- und Leberkrebs herausgestellt [3]. Daher besteht großes wissenschaftliches Interesse, dieses Feld weiter zu erforschen, insbesondere da bislang nur eine begrenzte klinische Validierung und ein unvollständiges Verständnis der biologischen Zusammenhänge vorliegen [4]. Die Untersuchung dieser Moleküle auf zellulärer Ebene ist essenziell, jedoch ist die Nachbildung in vivo-naher Bedingungen ebenso entscheidend. Die meisten Studien untersuchen VOCs unter normoxischen Bedingungen (21 % O₂), obwohl der Sauerstoffgehalt in peripheren Geweben etwa 5–7 % und in den Alveolen etwa 14 % beträgt [4]. In Tumorzellen sinken diese Werte weiter ab; Hypoxie führt zu metabolischen Veränderungen in Krebszellen und beeinflusst somit wahrscheinlich auch die VOC-Profile. Daher sind Studien, die hypoxische Mikroumgebungen nachbilden, von entscheidender Bedeutung [4].
Janssens et al. untersuchten die Auswirkungen von Hypoxie auf PM-Zellen, indem sie die VOC-Profile von drei Zelllinien charakterisierten: einer epithelioiden sowie zwei nicht-epithelioiden Zelllinien. Ziel war es, Unterschiede in den VOC-Profilen zu analysieren. Hierfür wurden die Zelllinien NCI-H2818 (epithelioid), NCI-H2731 (sarkomatoid) und NKI04 (biphasisch) kultiviert und sowohl unter normoxischen Bedingungen (21 % O₂) als auch unter hypoxischen Bedingungen in einer Whitley H45 Hypoxystation (1 % O₂, 5 % CO₂, 94 % N₂) inkubiert. Nach einer Inkubationszeit von 48 Stunden wurden die VOCs gesammelt und mittels thermischer Desorption gekoppelt mit Gaschromatographie-Massenspektrometrie (TD-GC-MS) analysiert. Insgesamt wurden 56 VOCs identifiziert. Mithilfe von Hauptkomponentenanalyse (PCA) konnte eine deutliche Verschiebung der VOC-Zusammensetzung zwischen Hypoxie und Normoxie dargestellt werden. Zudem zeigten sich klare Cluster für jede Zelllinie, was auf eine reproduzierbare, hypoxie-induzierte metabolische Programmierung hinweist. Zu den Metaboliten mit den größten Veränderungen zwischen hypoxischen und normoxischen Mesotheliomzellen gehörten 2-Methylbutanal, Pentanal, 3-Methylbutanal und Acetaldehyd. Verbindungen wie 2-Ethyl-1-hexanol und Acetophenon waren unter Hypoxie signifikant erhöht, was mit bestehenden Studien übereinstimmt, die Unterschiede dieser Substanzen zwischen Mesotheliompatienten und gesunden Kontrollgruppen zeigen. Darüber hinaus konnten Unterschiede in den VOC-Profilen zwischen epithelioiden und nicht-epithelioiden Zelllinien festgestellt werden, wobei die meisten differenziellen Metaboliten spezifisch für Hypoxie waren. Diese Studie verdeutlicht die entscheidende Rolle von Hypoxie bei der Ausbildung von VOC-Profilen bei Mesotheliompatienten und unterstreicht die Bedeutung reproduzierbarer hypoxischer Bedingungen, um die in vivo-Situation realitätsnah abzubilden. Da Biomarker eine entscheidende Rolle in der Diagnostik spielen, könnten solche Forschungsarbeiten zu bedeutenden Fortschritten bei der Nutzung von krebsbezogener VOCs als klinische Biomarker führen [4].
Zusammenfassend zeigt die Forschung, dass Hypoxie ein entscheidender Faktor für das VOC-Profil von Mesotheliomen ist. Studien wie diese verdeutlichen die Bedeutung einer möglichst genauen Replikation physiologischer Bedingungen (in vivo) – in diesem Fall durch den Einsatz der Whitley H45 Hypoxystation – um Zellen unter realitätsnahen Bedingungen zu untersuchen. Nur so können biologische Mechanismen und Profile zuverlässig bestimmt und darauf basierend fundierte klinische Entscheidungen getroffen werden.
Verfasst von DWS Mikrobiologin Kirsty McTear
Referenzen
- Jain M, Crites MK, Rich P, Bharat Bajantri. Malignant Pleural Mesothelioma: A Comprehensive Review. Journal of Clinical Medicine [Internet]. 2024 Sep 30;13(19):5837–7. Available from: https://www.mdpi.com/2077-0383/13/19/5837
- Bertin B, Zugman M, Schvartsman G. The Current Treatment Landscape of Malignant Pleural Mesothelioma and Future Directions. Cancers. 2023 Dec 12;15(24):5808–8.
- Zhou M, Wang Q, Lu X, Zhang P, Yang R, Chen Y, et al. Exhaled breath and urinary volatile organic compounds (VOCs) for cancer diagnoses, and microbial-related VOC metabolic pathway analysis: a systematic review and meta-analysis. International journal of surgery (London, England) [Internet]. 2024 Jan;110(3):1755–69. Available from: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38484261/
- Janssens E, Heirwegh E, Wouters A, Vandermeersch L, Van Meerbeeck JP, Walgraeve C, et al. Hypoxia induces alterations in the volatile signature of pleural mesothelioma cells. Biomedicine & Pharmacotherapy. 2026 Feb;195:118946.
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